Nachzucht von Yunnanilus cruciatus

von Frank LÜTHKE, Oldenburg – erhalten am 03.04.2009

Yunnanilus cruciatus

Yunnanilus cruciatus, adult

Ich besitze seit August 2008 sechs  Yunnanilus cruciatus. Die Tiere bewohnen mittlerweile allein ein 50-cm-Standardbecken, das mit Ammerländer Leitungswasser gefüllt ist (Leitfähigkeit 330 µS/cm, pH um 7,5). Die Einrichtung besteht aus Javamoos, Wassernabel, einer Wurzel und feinem Sand als Bodengrund. Gefiltert wird über einen Hamburger Mattenfilter. Ein 50-prozentiger Wasserwechsel findet einmal die Woche mit temperiertem Wasser statt.

Die Tiere waren nach dem Einsetzen sehr scheu und schreckhaft und verloren recht schnell ihre typische Tigerzeichnung. Diese wich einem schmalen Längsband. Erst nach ungefähr zwei Monaten kam die wunderbare Zeichnung wieder zum Vorschein und ich konnte die Tiere auch nach längerem ruhig sitzen beim entspannten Futtersuchen beobachten.

Da es sich anscheinend um drei laichvolle Weibchen und drei Männchen handelte, habe ich ab Januar 2009 ernsthafte Nachzuchtbemühungen unternommen.

Yunnanilus cruciatus

Jungfisch, 6-8mm

Yunnanilus cruciatus

Jungfisch, 1-1,5cm

Dabei wurde neben Wasserwechseln mit kühlem Wasser, Einsatz von Regenwasser, Strömungspumpe, verstärkte Fütterung mit Cyclops, Temperaturabsenkung in der Nacht, verstärkte Intensität der Wasserwechsel bis hin zu täglichen Wasserwechseln eigentlich so ziemlich alles probiert.

Die Fische quittierten dies mit Gleichgültigkeit (Regenwasser), etwas hektischem Umherschwimmen (Wasserwechsel, Cyclops) oder Unwohlsein (Strömungspumpe).

Ich habe dann nichts mehr gemacht und das Becken ziemlich in Ruhe gelassen, nur einmal in der Woche das Wasser gewechselt.

Dann konnte ich auch meinen ersten Jungfisch von sechs bis acht  Millimeter Länge entdecken. Nach einigem genaueren Hinsehen habe ich insgesamt fünf Jungfische mit roten Artemienbäuchen im Elternbecken gesichtet, die ich auch dort belassen habe. Mittlerweile sind die Fische auf 1 bis 1,5 Zentimeter herangewachsen und zeigen die typische Schmerlenform. Die Wachstumsgeschwindigkeit ist enorm.

Yunnanilus cruciatus

2 Männchen bedrängen ein Weibchen

Yunnanilus cruciatus

Ablaichen an der Glasscheibe

In der Folgezeit konnte ich auch die Tiere beim Ablaichen beobachten. Dabei fand am Tag vorher hektisches Schwimmen an der Scheibe statt und am Folgetag schossen zwei Männchen mit einem Weibchen durch das komplette Becken. Die Männchen versuchen dabei permanent durch Beschnuppern des Bauches mit dem Weibchen Körperkontakt zu halten  Die Eiablage findet unter Parallelstellung der Tiere blitzschnell an glatten Oberflächen statt (Wassernabel, Beckenscheiben, teilweise auch am Javamoos). Dabei werden keine Gelege, sondern vereinzelte kleine bernsteinfarbene Eier abgelegt.

Da ich nach 24 Stunden keine vorher gesehenen Eier mehr finden konnte, gehe ich davon aus, dass die Elterntiere doch recht effektive Laichräuber sind. Für eine höhere Ausbeute sollten die Tiere nach dem Ablaichen entfernt werden.

Bilder © Frank Lüthke

13 Gedanken zu “Nachzucht von Yunnanilus cruciatus

  1. Martin

    Ja, das kommt dabei herum, wenn man mal ein paar Fotos braucht. Aber die „Rosys“ haben eigentlich auch mal noch einen Artikel mit besseren Fotos verdient. Ich habe da schon einen Kandidaten…

  2. Schmerlenotto

    Hallo Frank,

    also ich finde, du könntest trotzdem einen Bericht für den BSSW-Report schreiben (ggf. mit weiteren Informationen, die sich ergeben haben oder noch ergeben).
    Solche Sache sollten dokumentiert werden. Es gibt interessierte Leute, die lesen heute noch Wochenschriften von 1909. Ob in 100 Jahren diese Webseite noch steht? Ich bin bestimmt kein Internet-Gegner, aber online ist flüchtig.
    In diesem Sinne,
    Gerhard

  3. Frank

    Moin,

    Als Update. Aus dem ersten Wurf sind rd. 15 ddurchgekommen, diese sind jetzt rd. 2 cm groß und absolute Ebenbilder der Eltern.
    Aus dem zweiten Ablaichen haben es anscheinend doch noch 5 geschafft, die ca. 0,5 cm kleiner sind.

    Da in dem Becken jetzt rd. 25 Yunnanilus rumwuseln, ist derzeit an Vermehrung nicht mehr zu denken, aber ich bleibe dran.

    Gruß Frank

    P.S. Bericht für den Report folgt.

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  5. Hans

    Hallo Frank,

    da der zweite BSSW-Report mittlerweile vor der Finalisierung ist, wollte ich mal nach Deinem Bericht fragen. Es wäre doch schön, wenn wir im 3. Report (schon wieder!) einen Zuchtbericht über Schmerlen hätten.

    Gruß, Hans

  6. Frank

    Moin Hans,

    so, jetzt habe ich es endlich geschafft einige Wort an Martin zu schicken, dass sollte ja noch reichen.
    Fotos folgen. Mittlerweile laufen die Schmerlen auch wieder rund. Es befinden sich bei den Eltern Nachzucht aus 3 unterschiedlichen Ablaichvorgängen der letzten vier Wochen.

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