Zum Artstatus von Corydoras „venezuelanus“

von Hans-Georg EVERS, Hamburg – erschienen im BSSW Report 1-2009

Abstract: The taxon is actually not accepted by the authors of leading german literature. Before using the name, the Corydoras aeneus-complex should be completely revised. It is not known why this species is actually named C. venezuelanus. Specimens were imported in 1992 as C. sp. „Venezuela“. A comparison to the type material of C. venezuelanus Ihering, 1911 was never done.

dultes Exemplar einer in der IG BSSW als Corydoras aeneus bezeichneten Corydoras-Form. Die Elterntiere des abgebildeten Tieres wurden von Armin Senger vor wenigen Jahren von der Insel Trinidad, dem Typusfundort von Corydoras aeneus importiert. Abbildung Stefan K. Hetz, Berlin

Adultes Exemplar einer in der IG BSSW als Corydoras aeneus bezeichneten Corydoras-Form. Die Elterntiere des abgebildeten Tieres wurden von Armin SENGER vor wenigen Jahren von der Insel Trinidad, dem Typusfundort von Corydoras aeneus importiert. Abbildung Stefan K. HETZ, Berlin

Das Taxon Corydoras venezuelanus Ihering, 1911 wurde vor langer Zeit von ISBRÜCKER und NIJSSEN mit der Begründung aufgehoben, dass die Typen keine äußeren Unterschiede zum älteren Taxon C. aeneus aufwiesen und erst durch eine gründliche Untersuchung des gesamten Artkomplexes um C. aeneus und vergleichende Untersuchungen der gesamten Topotypenpalette dieses Phänotyps eine vernünftige Aussage über unterschiedliche Artzugehörigkeiten möglich und sinnvoll sei. Sie argumentierten – und das halte ich für sinnvoll – dass es besser sei, eine Art zu lumpen und nur von einem „Corydoras-aeneus-Komplex“ zu sprechen, als viele Artnamen ohne vernünftige Abgrenzung zueinander stehen zu lassen. Eine Untersuchung des gesamten Typenmaterials der Arten um C. aeneus hat es bis heute nicht gegeben.

ISBRÜCKER hat jedoch im Appendix des Fullerschen Buches über die Zucht der Corydoradinae – ein denkbar ungeeigneter Platz für taxonomische Aussagen – einfach und ohne Begründung alle(!) bis dato existierenden Synonyme aufgehoben. In Venezuela gibt es mindestens zwei Phänotypen, eine sehr ähnliche Art zu C. aeneus sensu lato und eben unsere Orangeköpfchen, die SEIDEL und ich bereits 1992 aus den Llanos von Venezuela mitbrachten, und die seitdem gern und häufig gezüchtet werden.

Dieser Typus wird nun von verschiedenen Leuten immer wieder als C. venezuelanus angesprochen. Warum diese das tun, weiß ich nicht. Ich kenne zudem keine wissenschaftliche Arbeit, die das Typenmaterial zeigt und mit den uns bekannten venezolanischen Formen vergleicht.

Allein aufgrund des genannten ISBRÜCKER-Appendix bei FULLER werden auch C. pestai und andere immer wieder hochgeholt. Ohne vernünftige Begründung oder ohne selbst die jeweiligen Topotypen durch Eigenaufsammlung nachgewiesen zu haben. Aus diesem Grund – den wir übrigens auch genannt haben – haben wir bei FULLER & EVERS 2005 auf eine Revalidisierung all jener Namen verzichtet, die ISBRÜCKER etwas leichtfertig, somit auch seine eigene vorangegangene Arbeit sabotierend, verwendet hat.

Literatur:

FULLER, Ian (2001) Breeding Corydoradine Catfish

FULLER Ian, EVERS Hans-Georg (2005) Identifying Corydoradinae Catfish. Frankfurt

Ein Gedanke zu “Zum Artstatus von Corydoras „venezuelanus“

  1. Pingback: IG BSSW» Neuigkeiten |

Kommentar verfassen